Linux kooperativ neben Windows installieren

Stand: 5. Mai 2024

1. Vorbetrachtungen

Will man die Vorzüge einer vollständigen LINUX-Installation ergründen, gibt es häufig bedenken, dass laufende Betriebssystem negativ beeinflussen zu können. Datenverluste sind nur eine mögliche Folge. Man sollte auf jeden Fall vor einer Installation eine Datensicherung vornehmen und wissen, wie man diese, im Fall des Falles, zurückspielen kann.

Ein paar Anmerkungen vorab. Entwicklungen der Computertechnik und Hardware erfolgen mit einer hohen Dynamik. Somit ändern sich die Rahmenbedingungen für eine Linux-Installation ständig. Inzwischen ist das klassische BIOS mit seinen Einschränkungen komplett durch (U)EFI verdrängt worden.

Damit verbunden gibt es eine andere Art der Partitionierung und ein anderes Startverhalten. Beim BIOS werden nur 4 Partitionen unterstützt. In einer erweiterten Partition können logischen Laufwerke angelegt werden. Datenträger, die größer als 2 TB sind, werden nicht unterstützt. Das Startsystem befindet sich im Master-Boot-Record (MBR), dem physikalischen Anfang des Datenträgers.

Bei (U)EFI werden GPT-Partitionen verwendet, es sind bereits 128 als Standard vorgesehen. Alle Partitionen sind primäre Partitionen, erweiterte Partitionen gibt es nicht. Für das Startsystem ist eine spezielle EFI-Systempartition (FAT32) erforderlich. In dieser installiert jedes Betriebssystem sein Startsystem. Die Startmenüeinträge werden im NVRAM des (U)EFI abgelegt und stehen dort zur Auswahl. Ein Bootmanager, wie Grub ist theoretisch nicht erforderlich, ist aber quasi in Linux Standard. Grub erkennt Windows-Installationen - weitestgehend - und kann diese über das Startmenü ausführen.

Zur Absicherung der Integrität der Startsysteme wurde, durch Microsoft, Secure-Boot eingeführt. Wenn ein PC oder Laptop das Windows-Logo bekommen soll, muss bei Auslieferung Secure-Boot aktiviert sein. Secure-Boot verhindert den Start von nicht signierten Betriebssystemen und somit auch manipulierter Boot-Dateien. Die Signaturen zertifizierter Systeme werden im NVRAM des (U)EFI abgelegt und beim Start geprüft. Nur bei Übereinstimmung startet das System.

Problematisch ist, dass manche Hersteller lediglich Windows-Signaturen in den Speicher des (U)EFI legen und somit der Start anderer signierter Systeme verhindert wird. Selbst dann, wenn die Systeme offiziell signiert wurden und somit alle Voraussetzungen für einen sicheren Start erfüllt sind. Für diese Fälle muss Secure-Boot, zumindest für die Installation, deaktiviert werden.

Canoncial hat bereits mit Ubuntu 12.04.2 die Startdateien signieren lassen. Somit ist grundsätzlich eine Installation auch bei aktivem Secure-Boot möglich. Voraussetzung dafür ist, dass das Bootmedium dafür richtig vorbereitet, das Zielsystem vollständig heruntergefahren wurde - am besten Fastboot/Hibernation deaktivieren - und man die Tastenkombination für die Auswahl des Bootmediums kennt. In diesem Zusammenhang kann ein weiteres Problem auftreten, wenn der Hersteller den Aufruf der Konfigurationsoberfläche des (U)EFI erschwert hat. Hier hilft nur ein Blick in die Beschreibungen der Hersteller bzw. die Suche in Internet.

Mit Windows 8 wurde eingeführt, dass für einen schnelleren Windowsstart, die Systeme nicht mehr vollständig heruntergefahren werden. Damit wird der Zugriff auf den Windows-Datenträger gesperrt. Das vollständige Herunterfahren erreicht man, durch das Halten der linken Shift-Taste, beim Klick auf Herunterfahren. Shift so lange halten, bis die Animation angezeigt wird. Es kann ein zusätzlicher Dialog angezeigt werden, in dem man durch Auswahl von - PC Ausschalten - Windows vollständig beendet.

Über die Option Ein Gerät verwenden → USB-Stick, kann man bspw. von einem angeschlossenen USB-Stick starten, sofern dieser als Bootmedium erkannt wurde und diese Option im (U)EFI-Setup aktiviert ist.


Mit der Option Problembehandlung → Erweiterte Optionen → UEFI Firmwareeinstellung… kann man das (U)EFI-Konfigurationsmenü aufrufen. Für einige Rechnerkonfigurationen ist das die einzige Möglichkeit, das Setup überhaupt zu erreichen. Dazu wird der Rechner zuerst neu gestartet und öffnet dann automatisch die Konfigurationsoberfläche.

Auch unter diesen erschwerten Bedingungen kann Linux problemlos neben Windows benutzt werden. Die notwendigen Schritte werden nachfolgend beschrieben. Es ist gar nicht so schwer, wenn man den hier beschriebenen Weg beschreitet. Wichtig! Man benötigt volle administrative Rechte!

2. Vorbereitung der Installation

Für eine erfolgreiche Installation wird empfohlen, den Festplattenspeicher vorab bereitzustellen. Prinzipiell kann Linux bei der Installation den benötigten Festplattenspeicher selbst freimachen. Ubuntu genehmigt sich dabei den maximal zur Verfügung stehenden, zusammenhängenden freien Speicher des Datenträgers. Das wollen wir nicht! Möglicherweise steht anschließend für Windows nicht mehr genügend Speicher zur Verfügung, um Updates durchzuführen oder Dateien zu speichern. Hinzu kommt, dass der Anwender bei der Auswahl der angebotenen Installationsmöglichkeiten schnell überfordert sein kann. Im Zweifelsfall kann man die Installation an dieser Stelle abbrechen, ohne Änderungen am System auszuführen.

Immer häufiger werden Rechner mit Bitlocker verschlüsselten Datenträgern ausgeliefert. Für Änderungen an der Partitionierung müssen diese zuerst mit manage-bde entschlüsselt werden, so wie unter Todo: Bitlocker-Laufwerke entschlüsseln dargestellt!

Um ausreichenden Festplattenplatz frei zu machen, verwendet man am besten die Werkzeuge des aktuell laufenden Betriebssystems, also die, die Windows bereitstellt. Der Vorteil dieser Vorgehensweise, die Konsistenz des Dateisystems bleibt erhalten. Somit entfällt eine anschließende Zwangsprüfung der Integrität des Dateisystems beim folgenden Windows-Start. Die Dateisystemprüfung muss auf jeden Fall vollständig ausgeführt werden und ist immer dann zwingend erforderlich, wenn Änderungen an der Partitionierung mit Windows fremden Tools ausgeführt wurden!

Für die Installation von Xubuntu sind 25 GB Festplattenkapazität fürs Erste völlig ausreichend. Bereits mit 12 GB lässt sich bspw. Xubuntu 22.04 mit allen notwendigen Anwendungen für Internet, Büroarbeit mit LibreOffice, E-Mail, ... inkl. aller Systemaktualisierungen benutzen. Wir wollen aber auch noch Platz für zusätzliche Anwendungen und Dateien bereitstellen, deshalb benutzen wir mehr Plattenplatz. Entfernt man dann noch das gesamte Snap-System, spart man nochmals mehr als 2 GByte Festplattenkapazität.

In der Datenträgerverwaltung öffnet man mit einem Rechtsklick auf die Partition, die genügend freien Platz hat, das Kontextmenü. Dort Volume verkleinern... aufrufen. Windows prüft das Dateisystem auf mögliche Verkleinerungen. Das kann einen Moment dauern. Im nachfolgenden Dialog tragen wir unter Zu verkleinernder Speicherplatz in MB: 25600 (25 * 1024 = 25600) ein und bestätigen mit Verkleinern. Der Vorgang dauert, erstaunlicherweise, nur einen Augenblick.

Sollte die gewünschte Kapazität nicht zur Verfügung stehen, kann man den Vorgang nach einer Defragmentierung der Festplatte wiederholen. Hat man eine Datenpartition als Ziel ausgewählt, kann man auch alle Dateien herauskopieren, die Partition entfernen, verkleinert anlegen und formatieren. Anschließend kopiert man die Dateien wieder zurück. Das gilt nicht für die Partition, auf der Windows ausgeführt wird! Führt das nicht zum Erfolg, sollte man einen Experten hinzuziehen.

Sollten weniger als 12 GB freier Platz auf dem Datenträger bereitstehen, wird nicht empfohlen Linux zu installieren.

Linux teilt den freien Speicherplatz möglicherweise in zwei Bereiche. Der Hauptteil wird für das System, Programme und Daten bereitgestellt. Ein SWAP genannter Bereich wird abhängig von der Größe des Arbeitsspeichers eingerichtet. Neuere Distributionen legen für den SWAP-Bereich statt einer Partition eine, zur Größe des Arbeitsspeichers passende, Datei an. Das ist wesentlich flexibler, die SWAP-Datei ist allerdings auch die größte Datei im System! Über SWAP wird auch der Ruhemodus realisiert. Windows verwendet dafür mehrere Dateien.

Nach einer Basisinstallation von Xubuntu 22.04 werden inklusiver SWAP-Datei etwa 12 GB für das gesamte System benötigt. Für Arbeitsdateien und Downloads wird empfohlen einen „gemeinsamen“ Datenbereich einzurichten, der auch unter Windows nutzbar ist.

Nach Ausführung der Verkleinerung sollten genau 25 GB als „Nicht zugeordnet“ angezeigt werden und wir haben eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgversprechende Installation erfüllt. Nachfolgende Abbildungen zeigen beispielhaft die Aufteilung eines Datenträgers.

01 PartitionUEFI
Abbildung 1: Windows 10 - Partitionierung (U)EFI - GPT

02 PartitionUEFI
Abbildung 2: 25 GB Festplattenspeicher freigegeben

03 PartitionUEFI Gparted
Abbildung 3: GParted - Partition - Linux neben Windows

Abbildung 3 zeigt die GPT-Partitionen des Musterrechners in GParted unter Linux. Die erste Partition ist die EFI-Systempartition unter /dev/nvme0n1p1. Diese ist zu fast 80 % ausgelastet! Alle mit einem Schlüsselloch gekennzeichneten Partitionen sind für Änderungen gesperrt, da diese im aktuell gestarteten System benutzt werden.

Für diese spezielle Einrichtung - Windows in einer virtuellen Festplatte, vhdx-Datei in der Partition /dev/nvme0n1p3 - ist Windows nicht zu erkennen. Linux ist unter /dev/nvme0n1p4 installiert. Für die Datenablage kann die Partition /dev/nvme0n1p3 genutzt werden. Die MSR-Partition unter /dev/nvme0n1p2 wird durch Windows - wofür, ist unklar - intern genutzt.

3. Vorbereitung eines USB-Sticks für die Installation

Es wird empfohlen die Installation von Linux mit einem USB-Stick durchzuführen. Nach dem herunterladen der passenden iso-Datei würde man klassischerweise ein DVD/CD brennen. Mit diesem Medium wird der Rechner gestartet und die Installation kann durchgeführt werden.

Die auf Fachzeitschriften häufig angebotenen Medien zum „…direkten Start des Rechners…“ sind meistens nicht mit (U)EFI und schon gar nicht mit Secure-Boot kompatibel. DVD-Laufwerke werden, insbesondere bei Notebooks, gar nicht mehr verbaut. Aus diesem Grund bietet sich an, die iso-Datei auf einen USB-Stick zu übertragen. Die iso-Datei wird nicht als Datei auf den Stick kopiert, sondern muss, ähnlich dem Brennen einer DVD/CD, übertragen werden! Die Installation von einem USB-Medium erfolgt wesentlich schneller, als bei einer DVD/CD.

Nachfolgend werden zwei Möglichkeiten zur Erstellung eines funktionsfähigen USB-Sticks beschrieben. Man muss beachten, dass der USB-Stick dabei vollständig überschrieben wird. Die Kapazität des Sticks muss mindestens so groß sein, wie die verwendete ISO-Datei.

3.1 Ventoy

Bisher wurde UNetbootin, häufig auch Rufus empfohlen. Beide Systeme sind für diese Aufgabe sehr gut aufgestellt. UNetbootin gibt es für alle Betriebssystemplattformen und bietet für Debianbasierte Linux-Distributionen eine Option zur Einrichtung von Persistence. Mit Rufus kann man sehr komfortabel die iso-Dateien verschiedenster Windowsversionen von offiziellen MS-Servern herunterladen - nicht nur die letzte Version.

Ventoy geht einen anderen Weg. Man richtet das Basissystem auf einem USB-Datenträger ein. Dabei wird der Datenträger partitioniert und formatiert. Anschließend kann man das System erweitern, indem man iso-Dateien in den Datenbereich des USB-Sticks kopiert. Die iso-Dateien werden über ein Auswahlmenü für den Rechnerstart bereitgestellt. Zuerst bootet Ventoy, nach der Auswahl der iso-Datei wird der Rechner von dieser gestartet.
Man kann auf diese Weise sehr schnell etwas Neues ausprobieren und benötigt nicht für jedes zu installierende System einen eigenen Datenträger. Einzig Secure-Boot wird seit dem Patch im August 2022 nicht mehr unterstützt.

Die erzeugten USB-Sticks sind, sofern das Ausgangssystem dafür vorbereitet ist, auch mit (U)EFI und Secure-Boot kompatibel.

3.2 dd - Copy and Convert

Eine zweite Methode basiert darauf, dass der Inhalt der iso-Datei direkt auf den USB-Stick übertragen wird, so als würde man eine DVD/CD brennen. Dabei wird eine binäre Kopie des DVD/CD-Abbildes auf dem USB-Datenträger erzeugt. Beim Starten verhält sich der so erzeugte USB-Stick genauso wie das gebrannte Pendant. Ist die Abbilddatei der DVD/CD kompatibel mit (U)EFI und Secure-Boot, gilt das auch für den erzeugten USB-Stick. Nachteil, der freie Bereich auf dem USB-Stick kann nicht anderweitig verwendet werden. Die iso-Datei muss für den Start einen so genannten „Hybrid-Modus“ unterstützen. Das ist inzwischen Standard. Nachfolgend wird beschrieben wie vorgegangen wird.

Aus einem laufenden Linux, die Version ist dabei völlig nebensächlich, wird mit dem Befehl dd die iso-Datei übertragen. Für die Zielangabe muss man wissen, unter welchem Device der USB-Stick erkannt wurde. Dies kann man mit dmesg anzeigen lassen, nachdem der Stick angesteckt wurde.

Hinweis:
Wendet man den dd-Befehl auf ein falsches Laufwerk (Device) an, dann sind die Daten unwiederbringlich verloren, man muss also gut aufpassen.

Der Datenträger ist sdb
5680.834960 sd 6:0:0:0: sdb 15215808 512-byte logical blocks: (7.79 GB/7.25 GiB)
Auf dem Datenträger existieren 2 Partitionen
5680.853257 sdb: sdb1 sdb2

bem@bernd:~$ dmesg

:
[ 5680.834960] sd 6:0:0:0: [sdb] 15215808 512-byte logical blocks: (7.79 GB/7.25 GiB)
[ 5680.835568] sd 6:0:0:0: [sdb] Write Protect is off
[ 5680.835576] sd 6:0:0:0: [sdb] Mode Sense: 23 00 00 00
[ 5680.836196] sd 6:0:0:0: [sdb] No Caching mode page found
[ 5680.836203] sd 6:0:0:0: [sdb] Assuming drive cache: write through
[ 5680.839951] sd 6:0:0:0: [sdb] No Caching mode page found
[ 5680.839959] sd 6:0:0:0: [sdb] Assuming drive cache: write through
[ 5680.853257] sdb: sdb1 sdb2
[ 5680.856623] sd 6:0:0:0: [sdb] No Caching mode page found
[ 5680.856631] sd 6:0:0:0: [sdb] Assuming drive cache: write through

[ 5680.856638] sd 6:0:0:0: [sdb] Attached SCSI removable disk


Man kann erkennen, dass es sich um einen 8 GB großen USB-Stick handelt, der als Gerät mit der Bezeichnung sdb eingebunden wurde. Die vollständige Bezeichnung bei Ubuntu ist /dev/sdb.

Auf dem angesteckten Stick sdb befinden sich aktuell zwei Partitionen „..sdb: sdb1 sdb2..“ die als sdb1 und sdb2 bezeichnet sind. Über die Gerätebezeichnungen /dev/sdb1 bzw. /dev/sdb2 können die Partitionen gemountet werden. Der Zugriff auf die beiden Partitionen ist nicht erforderlich, i. d. R. haben USB-Sticks nur eine einzige Partition, in einigen - eher seltenen - Fällen gar keine.

Viele Linux-Distributionen binden alle Partitionen direkt nach dem Anstecken des Mediums ein, der Datenträger wird gemountet. Für das Übertragen der Daten auf den USB-Stick darf dieser nicht gemountet sein, also muss man unmounten - nicht Auswerfen! Mit dem Kommando mount lässt man sich alle eingebundenen Geräte anzeigen, wobei i. d. R. die letzten Einträge relevant sind.

Copy to clipboard
$ mount /dev/sda5 on / type ext4 (rw,errors=remount-ro) proc on /proc type proc (rw,noexec,nosuid,nodev) : /dev/sdb1 on /media/bem/daten type fuseblk (rw,nosuid,...,blksize=4096) /dev/sdb2 on /media/bem/polix type ext4 (rw,nosuid,nodev,uhelper=udisks)


Mit nachfolgendem Befehl wird der Inhalt der iso-Datei auf den USB-Stick kopiert. Bevor man aber den Befehl absetzt, sollte man wirklich sicher sein, dass /dev/sdb auch tatsächlich der gewünschte USB-Stick ist! Das Zielmedium wird überschrieben, auch ein Forensiker kann die so überschriebenen Daten nicht wiederherstellen. Nur der Administrator darf dd auf ein Device anwenden.

$ sudo dd if=xubuntu-22.04.1-desktop-amd64.iso of=/dev/sdb bs=64M


Die Parameter bedeuten if → Input File, unsere iso-Datei, of → Output File, der USB-Stick und
bs → Blocksize, die wir auf 64 MB erhöhen um den Schreibvorgang zu beschleunigen. Standard sind 512 Byte Blöcke, welche für USB-Sticks nicht optimal sind. Als zusätzlichen Parameter kann man status=progress hinzufügen und erhält damit eine Statusanzeige.

Man muss warten, bis der Eingabeprompt - blinkender Cursor - erscheint. Während des Kopiervorgangs werden keine Statusinformationen angezeigt, nur die Status-LED des Sticks sollte blinken. Mit der Rückkehr des Eingabeprompts wird eine Zusammenfassung angezeigt. Empfohlen wird das Kommando mit Statusanzeige auszuführen. Damit ist man im Bilde was gerade passiert. Die Anzeige suggeriert allerdings, durch cache-Mechanismen, traumhafte Werte für die Schreibgeschwindigkeit und am Ende muss man dennoch warten. Eventuell kann man oflag=direct verwenden.

$ sudo dd if=xubuntu-22.04.1-desktop-amd64.iso of=/dev/sdc bs=4096

487424+0 Datensätze ein
487424+0 Datensätze aus

1996488704 Bytes (2,0 GB, 1,9 GiB) kopiert, 387,272 s, 5,2 MB/s


Unser USB-Stick ist fertig und sollte bootfähig sein. Das hat knapp 7 Minuten gedauert (USB 2.0).

4. Installation Xubuntu 22.04 LTS

Um den Rechner vom USB-Stick zu starten, muss man, abhängig vom (U)EFI/BIOS des Rechners, bspw. die F9-Taste (Rechnerspezifisch) drücken, um in das Boot-Menü zu gelangen. Dort den USB-Stick auswählen und bestätigen. Sollte der USB-Stick nicht angezeigt werden oder beim Booten nicht korrekt funktionieren, kann man den Vorgang an einem anderen USB-Port wiederholen, bspw. an einem USB2-Port, anstelle eines USB3-Ports. Möglicherweise wird das Fabrikat des USB-Sticks nicht unterstützt, dann sollte man den Vorgang mit einem anderen USB-Stick wiederholen. Sollte ein Auswahl-Menü für die Bootmedien nicht angezeigt werden, ist evtl. eine Änderung in den (U)EFI/BIOS-Einstellungen erforderlich.

Empfohlen wird das Linux-System erst einmal auszuprobieren - Ubuntu ausprobieren -! Viele Linux-Versionen können in einem Live-Modus gestartet werden.

So kann die Hardware auf Funktionsfähigkeit geprüft werden. Wurde das WLAN erkannt, kann es konfiguriert werden. Für die Linux-Installation ist eine Internetverbindung lebensnotwendig. Geht das WLAN nicht, kann die Netzwerkverbindung bspw. per LAN-Kabel hergestellt werden, was i. d. R. unkritisch ist. Man sollte dann nur ein Netzwerkkabel und einen Zugang haben. Häufig werden WLAN-Adapter mit dem ersten Update erkannt und können dann nachträglich eingerichtet werden. Die WLAN-Zugangsdaten in der Live-Umgebung werden bereits während der Installation benutzt, um Aktualisierungen durchzuführen und Ergänzungen herunterzuladen.

Häufig werden in hochwertigen Laptops zwei Grafikkarten eingebaut, eine sehr leistungsfähige und eine weitere, die auf Energiesparen ausgelegt ist. Damit können unter Linux durchaus Probleme entstehen, wenn bspw. beide Grafikkarten aktiv sind und somit die grafische Oberfläche behindern. Sollte das zutreffen, kann man meist im (U)EFI/BIOS eine Vorauswahl für die Grafikkarte treffen oder im Internet nach Problemlösungen suchen.

Läuft Linux als Live-System zufriedenstellend, der Internetzugang funktioniert, kann man die eigentliche Installation starten. Auf der Oberfläche befindet sich dazu das entsprechende Symbol.

Nachfolgend werden Informationen zu Sprach- und Gebietseinstellungen, Benutzername, Rechnername, ein Kennwort abgefragt. Benutzer sollten sich grundsätzlich mit einem Kennwort anmelden müssen.

Im folgenden Dialog ist wichtig, dass alle bereits installierten Betriebssysteme korrekt erkannt wurden und als Option angeboten wird, dass man …Linux neben dem bereits installierten Betriebssystem ausführen… möchte. Sollten hier Unstimmigkeiten auftreten, kann man den Vorgang ohne jegliche Änderungen abbrechen, den Fehler suchen, beseitigen und dann den Vorgang wiederholen. Beachten Sie die Hinweise unter 1. Xubuntu 22.04 LTS - kooperativ zu Windows installieren.

Für die Installation wird der zuvor unter 2. Vorbereitung der Installation freigegebene Festplattenspeicher genutzt, ohne dass zuvor an der Partitionierung etwas einzustellen wäre.

Es wird empfohlen, bereits während der Installation, die Optionen Software von Drittanbietern sowie die Online-Aktualisierungen zu aktivieren. Man kann dies auch später tun, muss sich aber erst mal im System zurechtfinden.

Nach erfolgter Installation kann der Rechner ohne USB-Stick neu gestartet werden. Den USB-Stick aber erst abziehen, wenn Sie dazu aufgefordert werden und nicht mehr darauf zugegriffen wird!

Beim Startvorgang wird ein Auswahlmenü für Startoptionen angezeigt, welches Grub als Boot-Manager bereitstellt. Standardmäßig wird, nach 10 Sekunden, das gerade installierte Linux gestartet. Unter (U)EFI wird möglicherweise gar kein Menü angezeigt und sofort Ubuntu gestartet.

Hinweis insbesondere für BIOS-basierte Systeme: Die Konfiguration von Grub erfolgt unter Linux. Man kann Linux durch einfaches Löschen der Linux-Partition, aus Windows heraus, "rückstandslos" entfernen. Vor dem Löschen muss man aber unter Windows den Bootloader neu anlegen! Macht man das nicht, ist Windows zwar noch vorhanden, kann aber nicht mehr gestartet werden.

Die Konfiguration und Anpassung der Startreihenfolge unter Grub wird im Abschnitt 8. Anpassung des Bootmenüs - Grub beschrieben.

5. Updates durchführen

Nach dem Erststart des Systems wird empfohlen, alle zur Verfügung stehenden Updates durchzuführen. Die Sprachunterstützung wird dadurch erst vervollständigt, es werden wichtige sicherheitskritische Lücken behoben und bspw. auch der Internetbrowser auf den aktuellen Stand gebracht.

Je nachdem, wie „alt“ die iso-Datei ist, kann das schon mal, bei einem normal schnellen Internetzugang, eine halbe Stunde dauern. Dabei können durchaus mehrere 100 MB an Daten heruntergeladen werden. Dies sollte man berücksichtigen, wenn man einen Internetzugang verwendet, der eine Volumenbegrenzung hat.

Empfohlen wird die Durchführung der Aktualisierungen mit nachfolgenden Kommandos im Terminal.

~$ sudo apt update
~$ sudo apt upgrade


In Abhängigkeit der verwendeten Hardware können unter Systemeinstellungen → Zusätzliche Treiber, proprietäre Treiber, die durch die Hersteller zur Verfügung gestellt werden, zur Installation angeboten werden. Bevor man diese Treiber installiert, wird empfohlen erst einmal zu prüfen ob alle Komponenten erwartungsgemäß funktionieren. Informationen, ob die Treiber wirklich empfohlen werden, findet man im Internet.

Nach den Aktualisierungen ist eventuell ein Neustart des Betriebssystems erforderlich, da wahrscheinlich auch der Kernel aktualisiert wurde. Das sollte man tun.

Anders als bei Windows ist ein Neustart von Linux, nach Updates, eher selten und meistens nur nach Kernel-Updates bzw. nach der Installation von Systemtreibern erforderlich.

Meldungen, wie bei Windows - „Bitte warten Sie ... Der Computer wird konfiguriert … 10% … 20% … 30% … 40% ... Schalten Sie den Computer nicht aus“ - gibt es nicht.

6. Installation von Programmen

Es gibt viele Möglichkeiten Software unter Ubuntu zu installieren. Die „sauberste“ Lösung ist die Installation von Anwendungen über die Applikation „Software“. Die dort gelisteten Programme unterliegen einer Qualitätskontrolle durch Ubuntu und werden aktuell gepflegt. Findet man dort nicht, was man sucht, kann man im Internet nach sogenannten Personal Package Archiven (ppa) suchen. Zunehmend findet man auch so genannte Binaries - AppImages. Diese können nach dem Herunterladen idR. direkt ausgeführt werden - ./paketname -. Sehr praktisch für Programme mit schnellen Entwicklungszyklen, wie bspw. kdenlive für Videoschnitt.

Mit Einführung von Ubuntu 20.04 wurde „snap“ auch für Desktopumgebungen eingeführt. Snap ist ein zusätzliches Paketformat, welches ursprünglich für Linux-Server und „Internet of Things“ durch Canonical, den Urhebern von Ubuntu, entwickelt wurde. Inzwischen werden immer mehr Anwendungen in klassischer Form, als deb-Pakete, als auch als snap-Pakete bereitgestellt. Ein Beispiel dafür ist der Browser Firefox. Snap-Pakete werden komplett anders aktualisiert, als üblich. Snaps werden wie zusätzliche Laufwerke in das System eingebunden und belasten das System. Speziell für Firefox werden dann bspw. nicht alle AddOns unterstützt - der Autor mag snap nicht.

Anwendungen, die so eingerichtet wurden, werden anschließend bei jeder Systemaktualisierung - aber nur über Software - auf dem aktuellen Stand gehalten.

Da Ubuntu auf Debian basiert, steht bereits eine riesige Auswahl von Programmen aus den Debian-Archiven zur Verfügung. Umso weniger ist für den Autor nachvollziehbar, dass mit snap ein weiteres Paketformat implementiert wurde.

6.1 Ubuntu Software Center

Software ist ähnlich wie ein AppStore aufgebaut. Man wählt die Anwendungen nach Themenbereichen aus, kann Bewertungen lesen und die Installation bzw. Deinstallation von Programmen vornehmen. Ausgewählte Programme werden mit, dem für die installierte Distribution, aktuellem Softwarestand direkt über das Internet geladen und anschließend installiert. Werden zwei Versionen eines Programmes angeboten kann man unter Details die Unterschiede erkennen. Eine „Snap“-Anwendung erkennt man i. d. R. an der Quellangabe: snapcraft.io. Die Standardversionen ohne „Snap“ erkennt man an der Quellangabe auf ubuntu-…-universe oder ubuntu-…-main, die der Autor absolut bevorzugt, noch vor Aktualität. Im Abschnitt 7. Snapd - deinstallieren wird beschrieben, wie man Snap verlustfrei entfernen kann.

Empfehlungen für zu installierende Software: VLC-Player für die Medienwiedergabe, Gparted für die Verwaltung von Partitionen und Datenträgern, ...

6.2 Installation im Terminal

Unter bestimmten Umständen ist es erforderlich Software im Terminal zu installieren. Als Beispiel sei ttf-mscorefonts-installer genannt. Die Installation von MS-Standard-Schriftarten erfordert vom Nutzer eine manuelle Lizenzbestätigung, die für die grafische Installation nicht unterstützt wird. Die Installation erfolgt nach nachfolgendem Schema:

sudo apt update Sofwarequellen aktualisieren
sudo apt install ttf-mscorefonts-installer MS-Basis-Schriftarten installieren, Lizenz


Wenn man die genaue Bezeichnung der Software nicht kennt, sucht man…

sudo apt search mscorefont Suchen von Software, mscorefont als Suchwort


Die Aktualisierung des Systems erfolgt mit…

sudo apt upgrade System-Aktualisierungen installieren


Durch die Installation und Nutzung der MS-Core-Fonts (Windows-Basisschriftarten) ist der Datenaustausch von Office-Dokumenten zwischen Windows und Linux wesentlich einfacher möglich.

6.3 Installation von Software aus Personal Package Archiven - ppa

Findet man nicht, was man an Software benötigt, kann man auch sogenannte ppa-Pakete installieren. PPA steht für Personal Package Archive, welche durch einzelne oder eine Gruppe von Programmierern entwickelt, gepflegt und bereitgestellt werden. Dadurch werden zusätzliche Programme oder aber Programme in aktuelleren Versionen bereitgestellt, die durch die Distribution nicht zur Verfügung stehen.

Wenn man ppa's installiert muss man sich aber im Klaren sein, dass die Stabilität des Gesamtsystems beeinträchtigt werden kann, da man den Maintainern der bereitgestellten Pakete vertraut.

PPA-Anwendungen lassen sich über Kommandos im Terminal installieren. Der Ablauf erfolgt dabei immer in derselben Reihenfolge. Als erstes muss das Repository (PPA) eingebunden und der Vorgang bestätigt werden. Anschließend müssen alle Paketquellen neu eingelesen werden, womit die hinzugefügten Repositories inhaltlich erfasst werden. Nach einem Upgrade (optional) des Systems, kann die eigentliche Installation des gewünschten Programms erfolgen. Dabei werden alle vom Programm benötigten Programmteile und Bibliotheken installiert bzw. aktualisiert.

Ist bereits eine ältere Version eines Programms vorhanden, wird empfohlen dieses vorher zu deinstallieren. So, dass die Einstellungen beibehalten werden.

Als Beispiel wird eine Möglichkeit beschrieben, wie man Oracle Java einrichten kann. Ubuntu enthält bereits Open JDK als Open Source Lösung für JRE/JDK. Wird durch eine Anwendung jedoch zwingend Oracle Java benötigt, kann man das wie folgt nachinstallieren.

sudo add-apt-repository ppa:linuxuprising/java ppa zu den Repositories hinzufügen
sudo apt update Sofwarequellen aktualisieren
sudo apt install oracle-java18-installer OracleJava Installer installieren
sudo add-apt-repository --remove ppa:linuxuprising/java ppa von den Repositories entfernen,falls es nicht mehr benötigt wird


Hinweis: Trotz sorgfältiger Programmierung und Pflege des Softwarepakets kann es vorkommen, dass bestimmte Funktionen nicht oder nicht erwartungsgemäß funktionieren.

6.4 Installation von DEB-Paketen

Ubuntu basiert auf Debian. Aus diesem Grund stehen alle Debian-basierten Installationspakete auch für Ubuntu zur Verfügung. Viele Programmierer bieten Ihre Anwendungen auch im deb-Format an. Beispielsweise wird xmount, neben weiteren forensischen Werkzeugen, durch den Entwickler Daniel Gillen, als deb-Paket über das Portal pinguin.lu zum Download bereitgestellt.

Man kann LibreOffice brandaktuell (zz. Version 7.4.3) direkt von der Herstellerseite herunterladen. Aktuell wird mit Xubuntu 22.04 Version 7.3.6.2 geliefert und ist in Version 7.3 fest. Die heruntergeladenen Dateien müssen anschließend entpackt werden, man wechselt in die DEBS-Ordner und installiert dort alle deb-Pakete.

Zuvor empfiehlt sich jedoch die vorinstallierte LibreOffice-Version zu deinstallieren, obwohl man auch verschiedene Versionsstände unabhängig voneinander nutzen kann.

sudo apt remove libreoffice* aktuelles LibreOffice deinstallieren
sudo apt clean gespeicherte Pakete aus apt löschen
sudo apt-get autoremove nicht mehr benötigte Pakete löschen


Die Installation erfolgt durch $ sudo dpkg -i *.deb als Administrator.

/Downloads/LibreOffice_7.4.3.2_Linux_x86-64_deb/DEBS$ sudo dpkg -i *.deb

Empfehlungen für zu installierende Software: XnViewMP für die Bildverwaltung/-Konvertierung, VirtualBox topaktuell direkt vom Hersteller, BitDefender als Virenscanner.

6.5 Installation von Binärpaketen

Als weitere Variante der Installation wird die Möglichkeit der Installation von Binärpaketen betrachtet. Als Beispiel installieren wir VeraCrypt, womit sich Datencontainer, Partitionen oder ganze Festplatten sicher verschlüsseln lassen. VeraCrypt basiert auf den Quellen von TrueCrypt, welches völlig unerwartet am 30.05.2014 mit dem Hinweis darauf, dass „..nicht gefixte Sicherheitslücken bestehen könnten..“ eingestellt wurde. Die aktuelle Version kann unter www.veracrypt.fr heruntergeladen werden, aktuell ist zz. veracrypt-1.25.9-setup.tar.bz2.

Nachdem man die komprimierten Dateien abgespeichert hat, kann man diese durch Doppelklick öffnen, wobei der Archivmanager gestartet wird. Den Inhalt des Archivs kann man nun einsehen. Wir entpacken nur die Datei (eine von vier veracrypt-1.25.9-setup-gui-x64), die installiert werden soll. Archive bieten den Vorteil, dass nach dem Entpacken Dateiattribute, wie z. B. zum „Ausführen“ der Datei, erhalten bleiben.

Im Terminal folgenden Befehl ausführen:

~/Downloads$ sudo ./veracrypt-1.25.9-setup-gui-x64


Einstellungen anpassen


Einrichtung wichtiger Programme